Dubai im Oktober 2008
Nutzen Sie die Auswirkungen
der Finanzkrise in den VAE!
Passend zur Umstellung der Uhren in Europa auf die Winterzeit und passend zum Beginn des klimatisch sehr angenehmen Winters in Dubai möchten wir einen kleinen „Bericht aus der Region“ liefern.
Konjunktur, Stimmung und Wirtschaftsklima in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind während der bislang anhaltenden Finanzkrise einigermaßen ungeschoren geblieben. Das mag zum einen an der relativ niedrigen Kreditlastigkeit der Wirtschaft in einem doch als sehr cash-liquide zu sehend Markt liegen. Zum anderen liegt das aber sicher auch an der sowieso weit positiveren Stimmung angesichts des enormen Wachstums in der Region.
Selbst der ins Trudeln geratene Ölpreis macht hier (noch) niemanden übernervös. Das mag aber auch an der bevorstehenden OPEC-Sitzung mit der sicher zu erwartenden Senkung der Förderquoten liegen. Das Land kalkuliert seinen Staatshaushalt mit einem Mittelpreis von US-$ 80 pro Barrel Brent, so dass nach der doch heftigen Sommer-Rallye des Ölpreises noch genug Puffer da ist.
Den Augenmerk möchten wir aber doch konzentriert auf folgende Hinweise und Informationen legen:
DER EURO ZUM DIRHAM . . .
. . . hat seit Juli 2008 um rund 20% abgebaut. Dies sollten etliche in der Euro-Zone angesiedelte Hersteller und Anbieter von Konsum- und Investitionsgütern ausnutzen, ist ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit doch erheblich gestiegen. Man beachte vor allem die Präferenz der Emiratis für „Made in Germany“, die den ganzen Sommer über durch einen sehr hohen Eurokurs nur unter „Federn lassen“ auch einkaufstechnisch umgesetzt werden konnte.
Der „Dollar Peg“ bleibt weiter bestehen – das ist die unzweifelhafte Aussage der VAE Zentralbank – so dass alle strategischen Planungen und Überlegungen 1:1 aus Dollarkurs-Szenarien auch auf die VAE angewandt werden können.
Vielfältige Gründungsmöglichkeiten im Inland, in Free Zones und Offshore ermöglichen für neue Anbieter kurzfristigen Markteintritt auf Grund überschaubarer Bürokratie und maßgeschneiderten Kostenmodellen.
DIE BANKEN IN DEN VAE . . .
. . . haben vom Federal Council der VAE einen unbegrenzten und mindestens auf 3 Jahre befristeten Bürgschafts-Fallschirm zugesichert bekommen.
Bereits am 22.09.08 wurde durch die Zentralbank ein erstes Bankenpaket im Volumen von 50 Mrd. AED (13,7 Mrd. US-$) geschnürt – und zwar mit Öffnungsklausel.
Nachzulesen unter http://www.centralbank.ae/pdf/Releases/pressRel22-09-2008.pdf
Im unmittelbaren Gegensatz zur Einlagensicherung „à la Europe“ kennt man hier z.B. keine Sicherungsgrenzen pro Anleger. Vielmehr wurde schlicht der gesamte Mittelbedarf aus dem Einlagengeschäft heraus, der entstehen könnte, staatlich verbürgt. Die Solvenz des Staates wiederum ist durch die Präsenz der beiden größten Staatsfonds der Welt unzweifelhaft gewährleistet.
Der Präsident der Zentralbank, Sultan Bin Nasser Al Suwaidi, hat sich am 11.10.08 vor seiner Abreise zur letzten IWF-Konferenz mit einem Rundschreiben an Banken und Öffentlichkeit gleichermaßen standesgemäß verabschiedet. Dieses enthält zum Teil bemerkenswert interessante Kennziffern.
Nachzulesen unter http://www.centralbank.ae/pdf/Releases/pressRel11-10-2008.pdf
Als eine der doch unmittelbaren Auswirkungen der Finanzkrise sind die hiesigen Banken jedoch auch – wie eigentlich weltweit – über das Thema Investmentbanking ins Grübeln geraten. Vielleicht haben sich auch einfach in zu kurzer Zeit zu viele internationale Banken mit zu großen Investmentbanking-Abteilungen in DIFC – Dubai International Financial Centre und anderswo angesiedelt.
Die Konsequenzen einer Neuausrichtung hierdurch doch an gewisser Exzellenz gewonnener Bankstrukturen hier vor Ort ist aber im Gegensatz zu den allerorts verkündeten Personalabbauankündigungen weit mehr kundenfreundlich: Eine massive Orientierung der Banken auf Private Banking, Wealth Management und Betreuung privater wie auch gewerblicher „High Net Worth“ Felder ist ganz klar festzustellen.
Hierdurch wird ausländischen Vermögen und Vermögenden, Unternehmens-Portfolios und Fonds noch stärker als bisher der „rote Teppich“ ausgerollt. Das geht so weit, dass uns erste Banken vor Ort anbieten, unser Gesamt-Klienten-Portfolio bei der Überprüfung des „Einstiegsvolumens“ z.B. ins Private Banking zur Bewertung heranzuziehen. Solche „Bündelungen“ wären vor einem Vierteljahr noch undenkbar gewesen.
Berücksichtig man neben der Bankensicherheit im Lande auch noch das hervorragende Bankgeheimnis und die sehr kundenfreundliche Regulierung, kann man doch Tendenzen feststellen, dass sich die VAE in gewaltigen Schritten zu einem der fünf bis acht bedeutendsten Finanzplätzen hinbewegt. „Mission nearly accomplished“, wenn man sich den aktuellen Strategieplan der VAE und seine Aussagen zur „Vision Financial Centre“ ansieht.
DAS LEBEN IN DEN VAE . . .
. . . wird insbesondere für Deutsche in Zukunft eine weit bedeutendere Ausgangsfrage nach den Vor- und Nachteilen bergen.
Es ist ja nun nicht so, dass es keinerlei Wermutstropfen in den VAE gibt (auch wenn es sich meistens nicht um hausgemachte, sondern exogene Einflüsse handelt). Das Bundesfinanzministerium der BRD hat am 08.10.08 erst mal bis auf weiteres die Verhandlungen für ein neues Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den VAE „an die Wand geklatscht“ – wir berichteten bereits darüber.
Das bedeutet im Klartext „abkommensloser Zustand“ ab dem 01.01.09.
Auf gut Deutsch: Keine Steuerfreiheit auf in den VAE erzieltes Einkommen aller Art mehr für in Deutschland uneingeschränkt Steuerpflichtige.
Dies wird insbesondere deutsche Arbeitnehmer, die hier arbeiten, zu einer „Hopp oder Topp“ Entscheidung zwingen: Entweder ganz umsiedeln oder zurück „nach Hause“.
Aber auch für deutsche Unternehmen ändert sich die Ausgangslage. Die bisher gerne geführte Auslandsniederlassung sollte umgehend im Minimum in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt werden. Und wenn man schon mal dabei ist, umzustrukturieren, nehmen Sie es frei nach Kostolany und „denken Sie mal über die Gesellschafterbasis nach“.
Es muss in den VAE keineswegs die „Muttergesellschaft“ aus Deutschland die Gesellschafterin der Tochter sein und dann Gefahr laufen, die Tochter im Mittleren Osten ungewollt als verbundenes Unternehmen ans Bein gehängt zu bekommen.
Heutzutage kennt man selbst in der Wüste Strukturen wie Lizensierung, Offshoreholding, Franchise, Nominees usw. usf.
Die in den vergangenen Wochen auch international bemerkte massive Verschärfung von Visabestimmungen in den VAE verspricht zunächst eine doch spürbare Reduktion von Illegalen im Land. Hier wurde sicherlich zum richtigen Zeitpunkt regulativ eingegriffen, um den Status eines sicheren „Landes, nahezu frei von Kriminalität“ nicht zu gefährden.
Der Vorteil hierbei gerade für Einreisende aus den Europäischen Kernländern: Trotz teils unübersichtlicher Neuregelungen – die zugegebenermaßen die Behörden vor Ort teilweise selbst noch nicht voll erfasst haben – bleibt alles beim Alten und damit so einfach im Handling wie bisher. Der Kern-EU-Bürger kommt in Dubai an, legt seinen Pass auf die Theke und bekommt sein Besuchervisum für 60 Tage eingestempelt. Insgesamt stehen 33 Länder auf einer Ausnahmeliste, darunter eben auch Deutschland, Österreich, Schweiz usw.
DIE ZUKUNFT DER VAE . . .
. . . liegt sicher auch (wenn auch nicht ausschließlich) im GCC, dem Gulf Cooperation Council (Golf-Kooperationsrat). Der GCC arbeitet mit Hochdruck auf die Schaffung eines Golfstaaten-Binnenmarktes zu – Gemeinschaftswährung eingeschlossen. Hier werden sich in naher Zukunft für jeden, der sich entsprechend positioniert hat, ungeahnte Möglichkeiten bieten.
Von einem hochmodernen und extrem gut erreichbaren Standort in einer der komfortabelsten Zeitzonen aus ist es ohne Hürden möglich, einen unmittelbaren Gesamtmarkt von über 40 Mio. Menschen zu bedienen. Bisher gerade für Unternehmen aus Europa unwahrscheinlich schwierig zu adressierende Märkte wie Saudi Arabien sind dann Mitglied eines der interessantesten und Kaufkraft-stärksten Binnenmarktes – Gesamt BIP GCC (2005) 956 Mrd. US-$, pro Kopf 23.900 US-$.
Die Beschleunigungsbemühungen der nachvollziehbar notwendigen Verhandlungen und Absprachen haben in den vergangenen Wochen enorm an Fahrt gewonnen. Wohl auch, weil die Welt-Finanzkrise aus Sicht der Golf-Anrainer ein stärkeres Zusammenrücken sinnvoll erscheinen lässt.
Dubai, 24.10.2008
Kirsten Kraeter